Artikel-Schlagworte: „Finanzierung“

Casa Europa?

Mittwoch, 10. Juni 2009

Träumen Sie immer noch vom Feriendomizil im Süden? Dann bitte Geldkoffer auf und sofortige Barzahlung…
Sie sind gerade nicht so flüssig? Dann bitte  Nachweis über ein schuldenfreies Eigenheim in Deutschland.

So sehen derzeit die Bedingungen für Durchschnittskunden aus, die gerne einen Zweitwohnsitz im sonnigen Süden erwerben möchten. Mittlerweile ist den finanzierenden Banken das Kreditausfallrisiko für Kunden mittlerer Bonität zu groß geworden, sodass sich der Traum von der Ferienimmobilie nur noch für Wohlhabende oder Reiche erfüllen wird.
Sogar die Lage der gewünschten Ferienimmobilie wird seit einiger Zeit sehr akurat geprüft, die Traumimmobilie im strukturschwachen Gebiet hat da schon viel geringere Finanzierungschancen. Auf Sylt müssen Interessenten schon 40% des Kapitals als Eigenmittel haben, um ein Hypothekendarlehen zu bekommen. Mit Wertverlusten ist auf dem liebstem deutschen Eiland dagegen überhaupt nicht zu rechnen. Wer hingegen das gleiche Objekt im Harz, dem Sauerland oder der Rhön erwerben möchte, guckt ziemlich schnell in die Röhre.

Banken stufen Ferienimmobilien derzeit als reine Luxusobjekte ein und wenn, dann werden diese sogar hinsichtlich der Nutzbarkeit als normales Wohnhaus überprüft. Diese Vorgehensweise praktiziert beispielsweise die Dresdner Bank. Schuld an dieser Situation ist natürlich die allgemeine Wirtschaftskrise und gerade Ferienimmobilien unterliegen sehr starken zyklusbedingten Schwankungen. Bestes Beispiel hierfür ist Spanien, von 1998 bis 2006 stiegen dort die Preise extrem an, begünstigt durch das große Nachfrageverhalten von Briten, Deutschen, Österreichern und Skandinaviern. Es wurden immer neue gigantische Ferienkomplexe geschaffen, die jetzt bis zu 70% günstiger zu haben sind, inklusive Neuwagen. Diese gibt es nun schon als Zubrot obendrein, weil die Projektentwickler ihre Obejekte kaum noch an den Mann bringen. Eine ähnliche Entwicklung machten in Deutschland der Westharz nach der Wiedervereinigung bzw. die Wohnungen der 80er Jahre an der Nord- und Ostsee in Schleswig-Holstein durch. Die Westberliner fuhren lieber an die Ostsee nach Mecklenburg-Vorpommern, die Betonbauten an der Nord- und Ostseeküste gelten heute jedoch als hässlich und nicht mehr vermittelbar.

Die Finanzkrise - anschaulich dargestellt

Sonntag, 26. Oktober 2008

Wie kam es eigentlich zur großen Finanzkrise, was bewirkt sie und welche Maßnahmen könnten in Zukunft vor einer solchen Krise schützen?

Der folgende Beitrag versucht Licht ins Dunkel zu bringen und regt Maßnahmen an, die eine zukünftige Finanzkrise verhindern könnten…

Als ich 1997 zum ersten Mal in den USA war, wunderte ich mich schon etwas. In der etwa 25.000 großen Stadt vor den Toren Washingtons besaß fast jeder Bürger ein ordentliches oder sogar neuwertiges Auto und die allermeisten Einwohner lebten in adretten Einfamilienhäusern mit vorzüglich gepflegten Vorgärten. Eine ziemlich wohlhabende Gegend dachte ich mir, ohne wirklich die Hintergründe zu kennen. Vor den meisten Häusern standen damals sogar zwei oder mehr Autos. Radwege in bestem Zustand gab es dort übrigens auch… - Fragt sich nur für wen eigentlich? Ich sah während meines zehntägigen Aufenthalts dort höchstens drei Radfahrer, zwei davon bildeten eine Polizeistreife des örtlichen Police Department.

War ich also in einer Stadt für Manager und hohe leitende Angestellte gelandet? Weit gefehlt, die Leute hatten Berufe wie in jeder deutschen Mittelstadt, Angestellte, Handwerker, Selbständige, Hausfrauen, Rentner, usw… Jeder ging in Ruhe seiner Tätigkeit nach, vergnügte sich in der Freizeit auf den öffentlichen Sportanlagen, in Parks oder dem örtlichen Freibad. Ich war von dieser Washingtoner Vorstadt äußerst angetan und kehrte beeindruckt wieder zurück nach Deutschland.

Im Oktober 2007 flog ich erneut in die USA um diese Stadt zu besuchen. Alles schien wie immer, doch so langsam schien etwas aus dem Gleichgewicht zu geraten. Man sollte wissen, dass die Amerikaner oft mehrfach in ihrem Leben den Job bzw. sogar die Region in der sie leben wechseln. Dies ist dort nichts Außergewöhnliches. Allerdings traten plötzlich, infolge einer ordentlichen Leitzinserhöhung der US-Notenbank, die ersten Zahlungsschwiergkeiten der Subprime-Kreditnehmer (Bürger mit schlechter oder kaum genügender Bonität) zutage. Diese Leute waren nicht mehr in der Lage, die monatlichen Finanzierungsraten für ihr Wohneigentum zu bezahlen.

“Do you have a credit card?” hörte ich bei einem kurzen Abstecher nach New York in einem Fast-Food-Restaurant. Meine Antwort war ein Kopfschütteln und ich erntete dafür vom Angestellten am Counter ein ungläubiges Staunen als wäre ich gerade  als erstes Lebewesen vom Mond zu Besuch in den USA.

Als Zubringer zu meinem Greyhound-Bus nach New York nutzte ich die Chauffeur-Dienste der Tochter unserer befreundeten Familie aus dem Umkreis von Washington. Morgens stiegen wir in ein blaufarbenes, für mich asiatischen Ursprungs zu sein scheinendes Auto, mit sehr geräumigem Platz für gut fünf Personen inklusive üppigem Kofferraum. Meine Frage nach kurzer Fahrtstrecke kam zwangsläufig:  “Sag mal, ist das Dein Wagen?” ”Ja klar!” bekam ich zu hören, “ich muss häufig meine Freundinnen fahren wenn wir Parties feiern gehen, weil hier so viel Platz drin ist!” Nun stellte ich mir natürlich die Frage was so ein Wagen wohl etwa neu kostet, und er war auch gerade erst zwei Jahre alt… Die Antwort die ich bekam, erstaunte mich schon sehr, “45.000 Dollar hat der gekostet!” Sofort stellte ich mir die Frage der Finanzierung und ich bekam eine für mich schon fast logische Antwort: “With Credit!”…

Im Greyhound-Bus nach New York hatte ich das Glück neben einem etwas älteren US-Bürger zu sitzen, der auf dem Weg zu seiner Tochter nach New York war. Bereitwillig und freundlich erklärte er mir die Probleme der US-Wirtschaft und Konjunktur. Sogar er selbst kritisierte die US-Regierung und deren Wirtschafts- bzw. Finanzpolitik schon damals scharf. Auf meine Frage nach der entstandenen Subprime-Krise gab er mir eine sehr einleuchtende Erklärung:

“Eine Familie in einem x-beliebigem Ort in den USA bietet ihr Haus zum Verkauf an, es liegt in einer durschnittlichen Wohnlage. Als das Haus zu einem ordentlichen Preis verkauft wird, werden die restlichen Häuser in der Nachbarschaft sofort um einiges an Wert höher eingestuft, da es sich hierbei wohl um ein begehrtes und sehr nachgefragtes Wohngebiet handelt. Einige Zeit später wird dort wieder ein Haus zum Verkauf angeboten und eines Tages hat es seinen Besitzer zu einem guten Kurs gewechselt. Die umliegenden Häuser steigen daraufhin wiederum in ihrem Wert. Doch plötzlich erhöht die US-Notenbank die Leitzinsen, dies bedeutete das Ende für alle Subprime-Kredit-Finanzierer und es war der Beginn der großen Finanzkrise…