Archiv für die Kategorie „Fondsmanagement“

Die große Fonds-Flucht

Sonntag, 30. November 2008

Seit 1950 gibt es die Möglichkeit Geld in Investmentsfonds anzulegen. Fleißig sparten renditeorientierte Anleger Jahr für Jahr ihr nicht benötigtes Geld in die zum Teil sogar steuerorientierten Anlagefonds. Durch die weltweite Finanzkrise kommt es nun jedoch erstmals in der Investmentfonds-Geschichte zu einer Kapitalflucht in noch nie dagewesener Größe.

Rund 46,3 Milliarden Euro flossen alleine im Oktober aus den Anlagefonds, das sind etwa 10 Prozent des Gesamtfondsvermögens. Viele Fondsanleger parken ihr zurückgefordertes Geld aktuell lieber auf einem Tagesgeldkonto. Was bedeutet dies nun im einzelnen für die Zusammensetzung und das Management der Investmentfonds?

Die Fondsmanager kokettierten jahrlang mit ihrem großen finanziellen Spielraum zur Streuung der Anlagevarianten und somit zur Risikoverminderung, dieser Spielraum ist jetzt  kaum noch vorhanden. Auch die Wírtschaftlichkeit der jeweiligen Fonds wird massiv unter dem gegenwärtigen Mittelabfluss leiden, da nicht nur die Einrichtung eines Fonds sondern auch die Risikokontrolle und Fonds-Prüfungen ordentlich Gebühren kosten. Allein in Deutschland gibt es derzeit rund 3341 Investmentfonds mit einem Volumen von jeweils kleiner als 50 Millionen Euro.

Fondsanleger die ihre Anteile weiterhin behalten, könnten bald mit deutlich höheren Verwaltungsvergütungen die Zeche für den massiven Mittelabfluss zahlen müssen. Auch Kursverluste können noch zusätzlich zum Schrumpfen des Fondsvolumens beitragen.

Bezüglich der ab 2009 gültigen Abgeltungssteuer könnte die Schließung eines Fonds für die darin investierten Anleger äußerst unangenehme Folgen haben. Der geldwerte Vorteil bei einer gewinnbringenden Veräußerung von Fondsanteilen unter Anwendung der mehr als zwölfmonatigen Mindesthaltedauer wäre bei einer vorzeiten Fondsschließung dahin. Diese Regelung kann nur durch eine Verschmelzung des zu schliessenden Fonds mit einem anderen Produkt verhindert werden. Aber auch diese Vorgehensweise kann vom zuständigen Finanzamt steuerlich als Verkauf und Neukauf bewertet werden, womit wieder der eifrige Sparer in der Beweispflicht wäre. Deutsche Fondsbetreiber unterliegen bei einer vorzeitigen Fondsschließung lediglich einer 13monatigen Vorinformationspflicht gegegnüber ihren Anlegern. Bei Luxemburg-Fonds beträgt diese Vorinformationspflicht sogar nur drei Monate.

Laut einer Statistik ist der gegenwärtige Anteil von Minifonds bei Templeton mit 78 Prozent am höchsten, bei Union Investment, Deka und DWS am niedrigsten. Deshalb ist momentan der Anleger einfach gut beraten, sein bestehendes Depot nach Fonds mit Gefährdungspotenzial zu durchsuchen und dann dementsprechend zu handeln. Die Fondsgesellschaften hingegen rechnen zur Zeit eher noch nicht mit einem Selbstreinigungseffekt ihres Marktes.