Archiv für die Kategorie „Mezzanine Kapital“

Private Equity Branche japst nach Luft

Mittwoch, 2. Januar 2008

Lange Zeit umgab Private Equity etwas Geheimnisvolles. Ein relativ neuer Begriff und von scheinbar unendlich großer Finanzkraft angetrieben. Bisher stimmte das in der Regel auch, doch nun sind auch hier die Folgen der weltweiten Kreditkrise zu spüren. Das Geschäft der Finanzinvestoren brach um 43 Prozent ein und ging auf 29 Mrd. Euro zurück. Geschäfte großvolumigen Umfangs sind derzeit nicht finanzierbar und man darf gespannt sein, wann sich die Branche von diesem herben Schlag wieder einigermaßen erholt zeigt.

Insgeheim wird sogar damit gerechnet, dass im gesamten Jahr 2008 Firmenkäufe in zweistelliger Milliardenhöhe nicht durchführbar sein werden, da auch den Banken momentan das notwendige Potenzial für Groß-Transaktionen fehlt. Benchmark für Private Equity ist die “Super Return”, das größte Branchentreffen, was Anfang 2007 in Frankfurt stattfand. Damals schossen die Gebote, zu denen ein Unternehmen von einem Private Equity Fonds übernommen werden könnte, ins Uferlose. Teilweise war von 50 Mrd. Euro für ein DAX-Unternehmen die Rede.

Alles Schnee von gestern, im zweiten Halbjahr 2007 beliefen sich die Firmenkäufe durch Private Equity in Deutschland gerade mal auf 8,7 Mrd. Euro, gerade ein Viertel des Vorjahreszeitraums. In Zukunft werden andere Finanzierungsspielregeln gelten, da dann für Kreditinvestitionen mehr an die Banken bezahlt werden muss. Bislang konnten die Banken ihre Darlehen und Kreditforderungen mühelos an Hedgefonds oder andere Gesellschaften weiterverkaufen, bis die Hypothekenkrise kam. Allerdings gilt das nicht für die “Mini” Private Equity Fonds im Mittelstandsbereich bis etwa 500 Millionen Euro, deren Geschäft boomt auch jetzt noch; solange die Banken die Finanzierung alleine bewerkstelligen können.

Doch jede Medaille hat zwei Seiten und auf der zweiten Seite steht beispielsweise European Capital als Anbieter von Mezzanine Kapital. Diese Mischform aus Fremd- und Eigenkapital lässt man sich dort als Kreditgeber teuerer bezahlen als die Investmentbanken, jedoch verbunden mit einer höheren Zinsmarge. Während diese Kapitalgeber noch bis vor Kurzem  ganz am Ende der Finanzierungskette  standen und von Investmentbanken nur für Finanzierungsreste angerufen wurden, gibt es derzeit durch die Kreditkrise eine sehr viel höhere und gleich direkte Nachfrage durch die Private Equity Fonds.  

In der Übernahme- und Fusionsbranche dagegen sind die Zukunftsaussichten für 2008 weiterhin gut. Bis zum Ausbruch der Kreditkrise hatten strategische Investoren aus dem Dienstleistungs und Industriegewerbe gegenüber den Finanzinvestoren häufig finanziell das Nachsehen. Da für sie im Vergleich zur Finanzbranche die Geschäfte auch gegenwärtig gut laufen und genügend Geld für Zukäufe vorhanden ist, könnte sich die Fusions- und Übernahmequote der Strategie-Investoren von 58 Mrd. Euro im Jahr 2006, über 66 Mrd. Euro in 2007 auch im neuen Jahr 2008 weiterhin kräftig steigern.