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Wenn Wein wertvoll wird…

Dienstag, 6. Januar 2009

 

Liv-Ex. 100 Index - So wird der offizielle Wein-Index an der Londoner Börse bezeichnet.  Hier tummeln sich Spitzenweine aus dem Burgund, der Rhone-Gegend und dem Bordelais (Südwestfrankreich) mit außerordentlich guten Chancen auf Wertsteigerungen.

Wer bisher dachte, dass ein Wein-Index völlig autark von wirtschaftlichen Einflüssen reagiert, irrt sich gewaltig. Im Zeitalter der bis in jedes kleinste Detail vernetzten Weltwirtschaft reagieren auch absolute Spitzenweine wie ein „Lafite Rothschild” von 1986 auf die weltweit um sich greifende Rezession. Noch Ende September war von einer solch möglichen Wertveränderung nichts zu spüren. Bis zu satte 30 Prozent verlor dieser Wein, allerdings hat eine Flasche dieser Sorte mit etwa 700 Euro immer noch einen äußerst stolzen Preis.

Zur Ortientierung, auch beim Wein-Index gibt es feste Bewertungskriterien. Der Liv-Ex. 100-Index bewertet die Preise von 100 Spitzen-Weinen, die jeweils nach Parker-Punkten (100 ist hierbei die absolute Höchstnote) beurteilt werden. Der US-Amerikaner Robert Parker erfand dieses 100-Punkte-System für Weine.

„Wir kaufen alles, egal was es kostet.”  Diese Aussage hatte bis vor drei Monaten Allgemeingültigkeit. Weinliebhaber litten darunter natürlich, Investoren rieben sich jedoch die Hände. Nun haben sich die Vorzeichen komplett geändert. Dies könnte mit Sicherheit auch wieder zugunsten der Weinqualität gehen. Sehr informative Hinweise hierzu liefert der Weblog „Planet Bordeaux” von Weinkritiker Mario Scheuermann. Sogar Käuferstreiks wie bei einer Auktion von Koppe & Partner im Dezember in Hamburg waren absolutes Sinnbild der gegenwärtigen Entwicklung. Die Schätzpreise waren vielen Kaufinteressenten scheinbar immer noch zu realitätsfern. Noch bis in den Februar hinein, dürfte die zurückhaltende Einstellung der Wein-Investoren anhalten, erst dann wird wieder mit einer langsamen Konsolidierung des Marktes gerechnet.

Die Preise der absoluten Welt-Spitzenweine entstehen nicht in Deutschland, sondern in Amerika, Asien und Großbritannien. Schon 2001 waren die Preise um etwa 30 bis 40 Prozent gefallen, bis ein Ende der Spirale nach unten eintrat. Der Wert von Weinen wie Pétrus, Latour, Cheval Blanc oder Lafite Rothschild vervierfachte sich in den zurückliegenden drei Jahren. Kritiker Scheuermann rechnet damit, dass die momentan herrschende weltweite Finanzkrise am Ende noch mehr Vermögende mit einem jeweils noch größerem Einzel-Vermögen hervorbringen wird. Die Investmentaussichten für Klasse-Weine bewertet Scheuermann zukünftig sogar als sehr positiv.

Weshalb macht es aber überhaupt Sinn in Wein zu investieren? Wein gibt es doch heutzutage in unendlicher Menge und steigende Preise bewirken damit doch kaum eine Wertsteigerung?

Weit gefehlt - Chateau Petrus stellt jährlich gerade einmal 30.000 Flaschen dieses edlen Rebensaftes her. Daher haben sich die Preise der Weine die im Liv-Ex. 100-Index erfasst werden im Jahresvergleich zu anderen Börsen-Indizes kaum verändert. Im gerade begonnen Jahr 2009  wird es laut Experten weiterhin sehr gute Möglichkeiten geben, im Hochpreissegment ein Schnäppchen zu machen; allerdings nicht mit Weinen aus den Jahren 2006 oder 2007. Gute Jahrgänge zum Investieren könnten hingegen die Jahre 1987 und 1997 sowie 2000 sein; das sagen zumindest Experten wie Mario Scheuermann oder der Raritätenhändler Drawart.