Bislang kannten chinesische Fondsmanager nur steigende Kurse, doch seit November müssen sie nun auch Erfahrungen mit fallenden Märkten machen. Mehr als die Hälfte ihrer Zunft in China hat weniger als zwei Jahre Berufserfahrung, ein Drittel sogar weniger als ein Jahr. Seit zwei Jahren gibt es den chinesischen Leitindex CSI 300 und in dieser Zeit verfünfachte sich sein Kurs. Im September erfolgte dann die plötzliche Kehrtwende und ein Verlust bis zu 17 Prozent. Zwar konnten im Dezember wieder 7,8 Prozent wettgemacht werden, doch wird in Expertenkreisen mit einer weiteren Bereinigung des Marktes gerechnet. Dies wird sich auch auf die Unternehmen auswirken, die im vierten Quartal durch den CSI 300-Abwärtstrend Verluste schreiben könnten. Auch eine darauffolgende Explosion der vorhandenen gigantischen Aktienblase scheint nun im Bereich des Möglichen.
Ab jetzt sind die chinesischen Fondsjongleure mehr gefordert als je zuvor. Der überwiegende Teil von ihnen nutzte bisher nur die Gunst steigender Kurse. Bei einer enormen Management-Fluktuationsrate zwischen 15 und 30 Prozent wird der Druck der auf den Fondsmanagern lastet nun zu einer ganz besonderen Komponente. Eine Beurteilung der Entwicklung einer Geldanlage in China erfolgt zumeist wöchentlich oder monatlich, daher sind die Portfoliomanager oft zu kurzfristigen Gewinnen gezwungen. Da dies nur durch spekulative Wertpapiere möglich ist, wird von ihnen oft voreilig in völlig überbewertete Papiere investiert. Trotz allem üben sich Chinas Fondsmanager derzeit in Optimismus und rechnen bislang nicht mit einem allgemeinen Abwärtstrend ihrer Börse.