Ein Handelsplatz der sich selbst kontrolliert? In Australien ist das schon seit Jahren so. Nachdem nun Insiderhandel in größerem Stil betrieben wurde, erfolgt nun ein großer Aufschrei der Aktionäre. Die Marktaufsicht hat an dieser Stelle scheinbar völlig versagt. Die australische Wertpapierbörse ASX gilt traditionell als krisensicherer Finanzplatz. Wachstum und Dynamik waren bisher die beiden herausragenden Merkmale auf den Wertpapiermärkten des Kontinents.
Die ASX ist nicht nur Marktkontrolleur sondern nimmt auch selbst aktiv am Markt teil. Die staatliche Überwachungskomission ASIC achtet auf die Einhaltung des Unternehmensrechts, jedoch obliegt die Beobachtung der Aktiengschäfte der Börse in Sydney immer noch komplett selbst. Zum Vergleich, in Deutschland wird der Aktienhandel völlig unabhängig kontrolliert, durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Bei der nächste Woche anstehenden Hauptversammlung wird es zu einer ernsthaften Kontroverse zwischen den Aktionären und der ASX kommen. In etlichen Bereichen soll sich die ASX-Marktkontrolle als völlig unprofessionell erwiesen haben.
Insidergeschäfte, nicht nachvollziehbare Ausnahmerechte für Spezialfonds und wilde Kursspekulationen von Hedgefonds sind nur einige Szenarien die schon seit längerer Zeit vorkamen. Infolgedessen gingen etliche Brokerfirmen pleite, samt dem Vermögen ihrer Vielzahl von Anlegern. Wo blieb in dieser Situation die Kontrolle und das beherzte Eingreifen der ASX?
Zukünftig soll die Transaktionsüberwachung komplett an den staatlichen Regulierer ASIC übertragen werden, dies fordert zumindest der Aufsichtsratsvorsitzende der Versicherungsgruppe QBE, John Cloney. Dessen Vorschlag kommt nicht von ungefähr, da er mit seinem Unternehmen selbst Opfer von Hedgefonds-Spekulationen wurde. Scheinbar will die australische Regierung bei der Wertpapieraufsicht einfach nur kein Geld ausgeben und ist daher vom gegenwärtig herrschenden Selbstregulierungsprinzip überzeugt. Am schlechtesten werden in Australien derzeit Spekulationen auf sogenannte “Short Sellings” (sinkende Kurse) kontrolliert.
Doch in naher Zukunft wird sich die australische Regierung soweiso kaum weiterhin weigern, die dringend benötigten reformierten Börsen-Kontrollmaßnahmen einzuleiten, da bereits jetzt die ersten ausländischen Wertpapierhandelsplattformen in den Startlöchern stehen, um zügig den australischen Markt für sich zu erobern. Ab dann würde auch in Australien endlich richtig freier Wettbewerb bestehen.