Archiv für die Kategorie „Hedgefonds“

Inside Trading in Down Under

Freitag, 12. September 2008

Ein Handelsplatz der sich selbst kontrolliert? In Australien ist das schon seit Jahren so. Nachdem nun Insiderhandel in größerem Stil betrieben wurde, erfolgt nun ein großer Aufschrei der Aktionäre. Die Marktaufsicht hat an dieser Stelle scheinbar völlig versagt. Die australische Wertpapierbörse ASX gilt traditionell als krisensicherer Finanzplatz. Wachstum und Dynamik waren bisher die beiden herausragenden Merkmale auf den Wertpapiermärkten des Kontinents.

Die ASX ist nicht nur Marktkontrolleur sondern nimmt auch selbst aktiv am Markt teil. Die staatliche Überwachungskomission ASIC achtet auf die Einhaltung des Unternehmensrechts, jedoch obliegt die Beobachtung der Aktiengschäfte der Börse in Sydney immer noch komplett selbst. Zum Vergleich, in Deutschland wird der Aktienhandel völlig unabhängig kontrolliert, durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Bei der nächste Woche anstehenden Hauptversammlung wird es zu einer ernsthaften Kontroverse zwischen den Aktionären und der ASX kommen. In etlichen Bereichen soll sich die ASX-Marktkontrolle als völlig unprofessionell erwiesen haben.

Insidergeschäfte, nicht nachvollziehbare Ausnahmerechte für Spezialfonds und wilde Kursspekulationen von Hedgefonds sind nur einige Szenarien die schon seit längerer Zeit vorkamen. Infolgedessen gingen etliche Brokerfirmen pleite,  samt dem Vermögen ihrer Vielzahl von Anlegern. Wo blieb in dieser Situation die Kontrolle und das beherzte Eingreifen der ASX?

Zukünftig soll die Transaktionsüberwachung komplett an den staatlichen Regulierer ASIC übertragen werden, dies fordert zumindest der Aufsichtsratsvorsitzende der Versicherungsgruppe QBE, John Cloney.  Dessen Vorschlag kommt nicht von ungefähr, da er mit seinem Unternehmen selbst Opfer von Hedgefonds-Spekulationen wurde. Scheinbar will die australische Regierung bei der Wertpapieraufsicht einfach nur kein Geld ausgeben und ist daher vom gegenwärtig herrschenden Selbstregulierungsprinzip überzeugt. Am schlechtesten werden in Australien derzeit Spekulationen auf sogenannte “Short Sellings” (sinkende Kurse) kontrolliert.

Doch in naher Zukunft wird sich die australische Regierung soweiso kaum weiterhin weigern, die dringend benötigten reformierten Börsen-Kontrollmaßnahmen einzuleiten, da bereits jetzt die ersten ausländischen Wertpapierhandelsplattformen in den Startlöchern stehen, um zügig den australischen Markt für sich zu erobern. Ab dann würde auch in Australien endlich richtig freier Wettbewerb bestehen.

Neue Milliarden-Verluste

Sonntag, 13. Januar 2008

Fast 15 Milliarden Dollar wegen Schwierigkeiten mit Hypothekengeschäften wird die US-Investmentbank Merrill Lynch verlieren. Insgeheim hatten Wall-Street-Experten nur mit zwölf Milliarden Dollar gerechnet.  Jetzt wird mit Investoren aus den USA, Asien und dem Nahen Osten verhandelt, um kurzfristig etwa vier Milliarden Dollar zusätzliches Kapital zu bekommen. Auch US-Beteiligungsgesellschaften sollen sich unter den Interessenten befinden. Bereits im Dezember hatte sich Merril Lynch bis zu 7,5 Milliarden Dollar durch einen Staatsfonds aus Singapur und eine weitere Fondsgesellschaft besorgt, um die erlittenen exorbitanten Verluste aus der Krise am Hypotheken- und Immobilienmarkt aufzufangen. 

Selbst der computergestützte US-Hedgefonds Rief (Renaissance Technologies Corp’s Institutional Equities Fund) hat angeblich in den vergangenen Monaten etwa vier Milliarden Dollar verloren. Der vor drei Jahren gegründete Hedgefonds hat nun einen Wert von weniger als 22 Milliarden Dollar, ursprünglich wurde ihm damals ein Vermögensvolumen von bis zu 100 Milliarden Dollar zugetraut. Unternehmensgründer ist Mathematikprofessor James Simons, er entwickelte seine Investitionsstrategien rein quantitativ basierend auf Computerberechnungen.

Ab dieser Woche legen Citigroup, Bank of America, JPMorgan Chase und andere Institute ihre Zahlen für das Schlussquartal 2007 offen. Spannend dürfte es vorallem werden, ob es noch weitere Risiken gibt, die erst jetzt ans Licht kommen und inwieweit die Immobilienkrise am Kapital der Großbanken nagt. Einige werden sich wohl vom nächstgrößeren Mitbewerber auffangen lassen müssen, wie der Hypothekenfinanzierer Countrywide Financial, der nicht mehr in der Lage war, von selbst den Sprung aus den Abschreibungsgewässern zu schaffen.

Die Quartalszahlen lassen nichts Gutes hoffen und vier Geldhäuser könnten sogar rote Zahlen schreiben: Marktführer Citigroup sowie KeyCorp, National City und Washington Mutual. Weiterhin haben die meisten Banken schon vorab kräftige Einbußen durch Abschreibungen auf Wertpapiere, eine höhere Risikovorsorge oder Verluste im Hypothekengeschäft angekündigt. Bleibt noch abzuwarten, in welchem Ausmaß das traditionelle Kreditgeschäft von der Krise in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Auch Kreditkartenfirmen wie American Express müssen erstmal kleinere Brötchen backen. Sie gehen von stark steigenden Ausfälle bei Verbraucherkrediten aus und stellen sich schon jetzt auf schwächere Ergebnisse ein. Die Aktienkurse der US-Institute insgesamt sind 2007 gegen den Markt und besonders im Schlussquartal kräftig gesunken. In Europa ist es kaum anders, hier erwarten jetzt ebenfalls die Investoren  die Quartalsberichte. Den Startschuss gibt die Deutsche Bank am 7. Februar.

Private Equity Branche japst nach Luft

Mittwoch, 2. Januar 2008

Lange Zeit umgab Private Equity etwas Geheimnisvolles. Ein relativ neuer Begriff und von scheinbar unendlich großer Finanzkraft angetrieben. Bisher stimmte das in der Regel auch, doch nun sind auch hier die Folgen der weltweiten Kreditkrise zu spüren. Das Geschäft der Finanzinvestoren brach um 43 Prozent ein und ging auf 29 Mrd. Euro zurück. Geschäfte großvolumigen Umfangs sind derzeit nicht finanzierbar und man darf gespannt sein, wann sich die Branche von diesem herben Schlag wieder einigermaßen erholt zeigt.

Insgeheim wird sogar damit gerechnet, dass im gesamten Jahr 2008 Firmenkäufe in zweistelliger Milliardenhöhe nicht durchführbar sein werden, da auch den Banken momentan das notwendige Potenzial für Groß-Transaktionen fehlt. Benchmark für Private Equity ist die “Super Return”, das größte Branchentreffen, was Anfang 2007 in Frankfurt stattfand. Damals schossen die Gebote, zu denen ein Unternehmen von einem Private Equity Fonds übernommen werden könnte, ins Uferlose. Teilweise war von 50 Mrd. Euro für ein DAX-Unternehmen die Rede.

Alles Schnee von gestern, im zweiten Halbjahr 2007 beliefen sich die Firmenkäufe durch Private Equity in Deutschland gerade mal auf 8,7 Mrd. Euro, gerade ein Viertel des Vorjahreszeitraums. In Zukunft werden andere Finanzierungsspielregeln gelten, da dann für Kreditinvestitionen mehr an die Banken bezahlt werden muss. Bislang konnten die Banken ihre Darlehen und Kreditforderungen mühelos an Hedgefonds oder andere Gesellschaften weiterverkaufen, bis die Hypothekenkrise kam. Allerdings gilt das nicht für die “Mini” Private Equity Fonds im Mittelstandsbereich bis etwa 500 Millionen Euro, deren Geschäft boomt auch jetzt noch; solange die Banken die Finanzierung alleine bewerkstelligen können.

Doch jede Medaille hat zwei Seiten und auf der zweiten Seite steht beispielsweise European Capital als Anbieter von Mezzanine Kapital. Diese Mischform aus Fremd- und Eigenkapital lässt man sich dort als Kreditgeber teuerer bezahlen als die Investmentbanken, jedoch verbunden mit einer höheren Zinsmarge. Während diese Kapitalgeber noch bis vor Kurzem  ganz am Ende der Finanzierungskette  standen und von Investmentbanken nur für Finanzierungsreste angerufen wurden, gibt es derzeit durch die Kreditkrise eine sehr viel höhere und gleich direkte Nachfrage durch die Private Equity Fonds.  

In der Übernahme- und Fusionsbranche dagegen sind die Zukunftsaussichten für 2008 weiterhin gut. Bis zum Ausbruch der Kreditkrise hatten strategische Investoren aus dem Dienstleistungs und Industriegewerbe gegenüber den Finanzinvestoren häufig finanziell das Nachsehen. Da für sie im Vergleich zur Finanzbranche die Geschäfte auch gegenwärtig gut laufen und genügend Geld für Zukäufe vorhanden ist, könnte sich die Fusions- und Übernahmequote der Strategie-Investoren von 58 Mrd. Euro im Jahr 2006, über 66 Mrd. Euro in 2007 auch im neuen Jahr 2008 weiterhin kräftig steigern.

Tschüss London…

Mittwoch, 5. Dezember 2007

London ist gegenwärtig Hauptsitz für etwa 80 Prozent aller europäischen Hedgefonds. Aufgrund einer Änderung im Steuerrecht, wo bisher für nur teilweise in Grossbritannien lebende Ausländer umfangreiche Steuervergünstigungen galten, werden diese nun durch eine großzügige Sonderabgabe aus der Hedgefonds-Oase vertrieben.

Bereits vor ca. zwei Monaten kündigte Finanzminister Darling für Ausländer mit geringer Aufenthaltsdauer eine pauschale Steuerabgabe von 30.000 Pfund pro Jahr an. In der Praxis leben diese Finanzinvestoren nur einige Tage pro Jahr in Grossbritannien und zahlen dort dementsprechend eine relativ niedrige Einkommenssteuer. Die weltweiten Geschäfte werden allerdings gerne von London aus gesteuert, während die im Ausland erzielten Gewinne völlig steuerfrei bleiben.

Alleine von 2002-2006 konnte die europäische “Hedgefonds-Zentrale” London ihren weltweiten Anteil von zehn auf 21 Prozent mehr als verdoppeln. Schätzungen zufolge könnte bis zu ein Drittel der 900  in London ansässigen Hedgefonds Grossbritannien ganz verlassen. Als neues Heimatland der europäischen Hedgefonds dürfte dann wohl die Schweiz dienen, die nach einer Einzelfallprüfung für ausländische Investoren noch immer hohe Steuernachlässe gewährt. Bislang werden nur etwa 5 Prozent des in der Schweiz angelegten Vermögens in Hedgefonds investiert, während weltweit fast ein Drittel der Hedgefondsinvestionen von Schweizer Vermögensverwaltern stammen.

Hedgefonds mit 1000 Prozent Gewinn

Montag, 26. November 2007

Wer steht in der US-Hypothekenkrise eigentlich auf der Gewinnerseite? - Lahde Capital - Ein Hedgefonds der konsequent auf den Zusammenbruch des Immobilienkreditgeschäftes in den USA spekulierte. Nun ist er der erfolgreichste Hedgefonds aller Zeiten.

Lange war er einer von vielen der 114 Hedgefonds, die in den USA im letzten Jahr gegründet wurden. Selbst Anfang bis Mitte diesen Jahres noch zählten viele Anleger auf die riskanten Subprime Mortgages, Immobilienkredite für Personen mit vergleichsweise geringer Bonität. Doch Andrew Lahde setzte zu Jahresbeginn seine Fonds US Residential Real Estate Hedge I, II und V auf. Hierbei wurde auf einen äußerst heftigen Einbruch des Subprime Kreditgeschäftes gesetzt. Für eine Mindestanlagesumme von 250.000 US-Dollar, ein Prozent Managementgebühr und 20 Prozent Erfolgsbeteiligung.

Selbst Ben Bernanke als US-Notenbank-Chef unterschätzte die Leitzinserhöhung mit seinen heftigen Auswirkungen für alle Wirtschaftsbereiche. Fondsmanager Lahde ging im Gegensatz dazu schon damals von völlig veränderten Finanzmarktvorzeichen bei der Vergabe von Krediten zugunsten Kunden geringerer Bonität aus und rechnete mit einer bevorstehenden Kreditkrise bei einer Leitzinserhöhung.   Er sollte damit richtig liegen.

Momentan steht der US-Handel dank der geringeren Kaufkraft vor einem ernüchternden Weihnachtsgeschäft und auch die Autoindustrie könnte schon bald betroffen sein. Gegenwärtig versucht die US-Notenbank mit einer Reihe von Refinanzierungsgeschäften der US-Wirtschaft neue Liquidität zu verschaffen.