Archiv für Januar 2008
Sonntag, 27. Januar 2008
Die WestLB befindet sich in der Bredouille. Mehrere Rating-Agenturen haben laut NRW-Landesregierung eine neue Einstufung der WestLB geplant und könnten sie damit endgültig schachmatt setzen. Bei einer massiven Bonitätsherabstufung müsste die WestLB erheblich höhere Kosten bei Krediteinkäufen verkraften, um die eigene Kreditvergabe nicht zu gefährden. Von den Rating-Agenturen werden Sicherheitsleistungen in Höhe von vier Milliarden Euro verlangt, um eine Herabstufung abzuwenden, zum jetzigen Zeitpunkt für die WestLB eine mittelschwere Katastrophe und das Sanierungskonzept wäre ebenfalls erheblich in Gefahr. Bereits vor einer Woche war eine Kapitalerhöhung um zwei Milliarden Euro vereinbart worden.
Erst vor einigen Tagen haben die Eigentümer darüber beraten, die WestLB in eine große Zweckgesellschaft aufgehen zu lassen, um sie besser vor Risiken abzusichern. Risikoaktiva aus dem Institut sollten in dieser neuen Gesellschaft zusammengefasst werden. Die Ratingagentur Standard & Poor´s warnte bereits vor einem Verlust des A-Ratings. Auch über eine Neubesetzung der WestLB-Führungsspitze wird momentan beraten, da der Vertrag von Vorstandschef Alexander Stuhlmann Ende März ausläuft.
Schlagworte:Bonität, Kapitalerhöhung, Rating, Risikoabsicherung, Sanierung, WestLB, Zweckgesellschaft
Veröffentlicht in Rating, Standard & Poor´s, WestLB | 1 Kommentar »
Sonntag, 27. Januar 2008
Über zwölf Prozent fiel der DAX bis Mittwoch, genauer gesagt auf 6400 Punkte. Freitag erreichte er bereits wieder die 7000 Punkte-Marke. Damit herrschen momentan extrem starke Kurs-schwankungen, andersherum sind dies aber tolle Bedingungen für Einsteiger in Zertifikate.
Sobald der Kurs eines Zertifikates fällt, erhöht sich die Renditechance. In den letzten eineinhalb Wochen waren die Kursabwärtsbewegungen so dermaßen stark, dass etliche Anleger entweder das vorzeitige Aus erlebten oder auf jeden Fall den Verlust ihrer Bonusansprüche verkraften mussten. Die Zertifikate-emittenten sind in solch einem Fall ebenfalls gezwungen ihre Absicherungsmechanismen zu lösen und werfen ihre als ursprüngliche gedachte Risikominimierung selbst gekauften Papiere auch auf den Markt, dadurch erzeugen sie einen noch höheren Verkaufsdruck für die bereits in Zertifikate investierten Anleger.
Zertifikate sind besonders stark volatilitätsempfindlich, der Index VDax-New erreichte den höchsten Stand seit fünf Jahren. Auch in den kommenden Wochen wird weiterhin mit einem hohen Ausschlagen des Volatilitäts-Indexes gerechnet. Zu groß ist momentan einfach die Angst, dass entscheidende Kursmarken oder Barrieren erneut durchbrochen werden, zumal von der Volatilität an den Märkten auch die Preisbestimmung der Zertifikate entscheidend beeinflusst wird. Gradmesser hierfür sind dann immer die Kurswerte der einzelnen Papiere, die generell an Wert verlieren - unabhängig von der Kursentwicklung der Aktien. Neueinsteiger freuen sich darüber, es kommt zu erhöhten Renditechancen.
Wer auf eine zweistelige Jahres-Rendite spekuliert, sollte daher in Multibonuszertifikate investieren. Diese haben mehrere Risikopuffer, aber dafür auch mehrere abhängige Indizes oder Aktien. Die Bedingungsvariablen gelten jedoch für jede einzelne Aktie und somit kann ein einziger “Querschläger” bereits alle Bonusträume auslöschen. Beispiele hierfür gab es die vergangenen Tage zur Genüge. Doch auch bereits schon am Markt gehandelte Zertifikate lassen sich kaufen, wobei gegenwärtig Multibonus-Zertifikate auf Bankaktien besonders reizvoll zu sein scheinen. Hier sind oft mehrere Aktien miteinander gekoppelt, allerdings darf keine unter die vorher festgelegte Barriere fallen, sonst drohen große Verluste in Höhe des Kursrückgangs der schlechtesten Aktie. Selbst Risikopuffer von teils 40 der gar 50 Prozent reichten zuletzt nicht immer aus, um als Anleger vor dem vorzeitigen Aus geschützt zu sein.
Schlagworte:Bonus, Multibonuszertifikate, Rendite, Risikopuffer, Volatilität, Zertifikate
Veröffentlicht in Aktuelles, DAX, VDAX New, Zertifikate | Keine Kommentare »
Donnerstag, 24. Januar 2008
Nach all den Horrormeldungen der vergangenen Tage gab es heute zum ersten Mal wieder positive Meldungen. In den letzten Handelsstunden drehte die US-Börse sogar klar ins Plus. Doch nach wie vor bedeutet dies noch nicht das Ende der Finanzmarkt-Krise.
Der Dow-Jones-Index machte nach einer 600 Punkte-Berg- und Talfahrt 2,50 Prozent gut und stieg auf 12.270,50 Punkte, der S&P-500-Index kletterte um 2,14 Prozent auf 1338,51 Zähler und der Nasdaq-Index stieg um 1,05 Prozent auf 2316,41 Punkte. Ausschlaggebend dafür waren einerseits gute Nachrichten für die Anleiheversicherer, die möglicherweise auf Rettung hoffen dürfen. Ein Knock-Out für diese Spezialversicherer hätte an den Finanzmärkten mit Sicherheit weitere katastrophale Folgen. Andererseits gab es etliche neue Unternehmenszahlen, die Balsam auf die Wunden der in den letzten Tagen arg geschundenen Aktionäre sein könnten. Einzelne Finanztitel legten daraufhin mehr als zehn Prozent zu, auch Konsum- und Einzelhandelswerte gehörten mal wieder zu den Siegern.
Einige US-Einzelkurse kurz und knapp: Apple trotz Rekordquartal minus 10,7 Prozent auf 139,07 Dollar; Motorola nach sehr schwachen Zahlen um minus 18,8 Prozent auf 10,01 Dollar; Texas Instruments (Handychip-Hersteller) plus 4,6 Prozent auf 30,30 Dollar; Pfizer trotz Konkurrenz aus dem Billigsektor plus 2,8 Prozent auf 22,86 Dollar; General Motors nach Absatzsteigerung um fast fünf Prozent (im letzten Quartal) plus 8,8 Prozent auf 25,74 Dollar
Auf dem Rentenmarkt lösten sich die Gewinne vom Tag zuvor in Luft auf, die zehnjährigen US-Staatsanleihen ließen mehr als einen ganzen Punkt nach, die Rendite legte auf 3,541 Prozent zu. Der Euro stieg leicht auf 1,4629 Dollar nach 1,4620 Dollar am Dienstag.
Schlagworte:Anleiheversicherer, Dow Jones, Nasdaq, S&P-500-Index, Unternehmenszahlen, US-Börse, US-Börse / Wall Street, US-Dollar, US-Staatsanleihen
Veröffentlicht in Apple, Dow Jones, General Motors, Motorola, Nasdaq, Pfizer, S&P-500-Index, Texas Instruments, US-Dollar | Keine Kommentare »
Donnerstag, 24. Januar 2008
Nach der Beruhigung der Börsen durch die Leitzinssenkung der US-Notenbank von 4,25 auf 3,5 Prozent und dem darauf folgenden Anstieg des Euro bis auf 1,4643 US-Dollar stellt sich folgerichtig die Frage, ob die EZB eine ähnliche Leitzinssenkung im Sinn hat. Laut EZB-Chef Trichet sei es gegenwärtig noch nicht der richtige Zeitpunkt um Konsequenzen aus der Korrektur an den Finanzmärkten zu ziehen. Nun liege es an den Banken ihre Hausaufgaben zu machen, indem sie ihr eigenes Risikomanagement überdenken, eventuell müssten sogar die rechtlichen Rahmenbedingungen der Finanzbranche noch stärker strukturiert werden. Oberste Priorität für die Zentralbanken habe momentan das ordentliche Funktionieren der Geldmärkte, Trichet sieht es sogar als “die Pflicht der Zentralbank, Inflations-erwartungen zu verankern, um weitere Unbeständigkeit in bereits sehr unbeständigen Märkten zu vermeiden.“
Schlagworte:Geldmärkte, Leitzinssenkung, Risikomanagement, US-Börse / Wall Street, US-Notenbank
Veröffentlicht in Aktuelles, DAX, Europäische Zentralbank, US-Dollar, US-Notenbank | Keine Kommentare »
Dienstag, 22. Januar 2008
Um satte 0,75 Prozentpunkte ließ US-Notenbank-Chef Ben Bernanke den Leitzins heute absenken, dennoch wird dies nicht ausreichen, um die Märkte rasch und nachhaltig zu beruhigen. Das Grundproblem allen Übels steht diesmal nicht als Rettungsanker zur Verfügung, es ist sogar der Ausgangspunkt der Krise, der US-Immobilienmarkt.
Noch Mitte 2006 schien alles rosig zu verlaufen, die US-Immobilienkredite konnten von den Privathaushalten bedient werden, die Volkswirtschaften florierten und die Wirtschaftsdaten standen gut. Dann kam die Zinserhöhung durch die US-Notenbank und die ersten Hypothekenkredite fielen mangels nicht möglicher Bedienung durch die privaten Hauseigentümer aus. Der leise Beginn der US-Immobilienkrise…
Nicht nur die Privathaushalte waren damals davon betroffen, sondern nach und nach auch die in Immobilienkredite investierten Banken und andere Finanzinvestoren. Es folgten Mega-Abschreibungen der Kreditinstitute und die ersten Anleger misstrauten dem Finanzsektor und iregendwann sogar den einzelnen Finanzmärkten. Im Laufe der letzten Woche verdichteten sich dann die Spekulationen über eine bevorstehende Rezession der US-Wirtschaft und die Talfahrt an den Börsen nahm ihren Lauf.
Dies alles führte nun zur heutigen Leitzinssenkung, unterstützt von dem momentan wieder sinkenden Ölpreis. Beruhigen könnte dies die Märkte erstmal sicherlich, doch das Ende der Fahnenstange ist Beileibe noch nicht erreicht. Die gesamte US-Wirtschaft ist jetzt einfach zum Umdenken gefordert, ein noch immer nicht ausgegelichenes US-Handelsdefizit sowie die fast schon störrische Weigerung der US-Verbraucher wieder mehr zu sparen sprechen wohl eine allzu deutliche Sprache.
Schlagworte:Abschreibungen, Finanzkrise, Leitzinssatz, Ölpreis, US-Börse / Wall Street, US-Hypothekenkrise, US-Notenbank, US-Wirtschaft
Veröffentlicht in Aktuelles, Immobilien, US-Notenbank, Ölpreis | Keine Kommentare »
Dienstag, 22. Januar 2008
Bislang galten Zertifikate als sicherer Hafen. Seit den heftigen Kursverlusten der letzten Wochen ist es damit aber nun vorbei. Viele Bonus-Zertifikate haben bereits ihren “Bonus” verspielt, eine Alternative sind jetzt sogenannte “Pro-Zertifikate”.
Bonus-Zertifikate erzielen bei gleichbleibenden oder leicht fallenden Kursen immer eine ganz ordentliche Rendite, solange eine gewisse Kursmarke nicht unterschritten wird. Doch das Szenario der Kursunterschreitung spielte sich in den bisherigen Januar-Handelstagen gleich reihenweise ab, sodass eine Vielzahl dieser Zertifikate, trotz eines noch teilweise im letzten Jahr vorhandenen zweistelligen-Prozent-Puffers, ihren Bonus verloren und sich ab jetzt nur noch am reinen Kursverlauf der Aktie orientieren, sofern es sich hierbei auch um ein Zertifikat auf Einzelaktien handelt.
Häufig handelt es sich bei derartigen Kursverlusten sogar nur um reine Kurskorrekturen, doch für die Anleger ist die erhoffte Bonusrendite dennoch nicht mehr erzielbar, auch wenn die Einzelaktie im weiteren Kursverlauf einen überproportionalen Gewinnzuwachs zu verzeichnen hätte. Einzige Hoffnung bleibt dann nur noch, einen Gewinn durch das Ansteigen der Aktie wenigstens über den einstigen Kaufkurs zu erzielen.
Pro-Zertifikate funktionieren fast genauso, jedoch mit einem kleinen, aber im jeweiligen Einzelfall doch bedeutsamen Unterschied. Die untere Kursmarke, bei deren Verletzung die Bonusrendite entfällt, kommt erst in den letzten Wochen der Laufzeit des jeweiligen Zertifikats zum Tragen. Allerdings muss der Sicherheitspuffer der Pro-Zertifikate vom Anleger mit einer geringeren Rendite in Kauf genommen werden.
Schlagworte:Bonus-Zertifikate, Kursverluste, Pro-Zertifikate, Rendite
Veröffentlicht in Zertifikate | Keine Kommentare »
Sonntag, 20. Januar 2008
Nach dem rekordverdächtigen Tagesverlust vom letzten Dienstag prüfen Anlegeranwälte eine Schadensersatzklage gegen Hypo Real Estate. Als Grund dafür könnte die Tatsache dienen, dass der Hypo Real Estate Vorstand angeblich monatelang nichts von den bevorstehenden Abschreibungen auf ein Wertpapierportfolio in Höhe von 390 Millionen Euro wußte und stets betonte, nicht von der US-Immobilien-Krise und der allgemeinen Talfahrt an den Börsen betroffen zu sein.
Weiterhin könnte in diesem Fall auch ein gravierender Verstoß gegen die Informationspflicht vorliegen, da seitens des Vorstandes noch im November für das dritte Quartal gerade mal Abschreibungen in Höhe von vier Millionen Euro zu Buche standen und weitere Risiken damals kategorisch ausgeschlossen wurden. Für eine nun mögliche Sammelklage der Anleger besteht jedenfalls bis zu drei Jahre Zeit.
Durch die Schockabschreibung von Hypo Real Estate hat sich das bankeninterne Klima weiter verschärft. Bedingt durch die US-Hypotheken-Krise bestand unter den Geldhäusern sowieso nur noch wenig Vertrauen zueinander, weshalb die Real-Estate-Abschreibungsmeldung eine weitere Leiche im Keller der Kreditinstitute ist. Welche Bank wird nun wohl als nächste ihr Leichenschauhaus öffnen?
Schlagworte:Abschreibungen, Anlegerklage, Bankenklima, Hypo Real Estate, Informationspflicht, US-Hypotheken-Krise
Veröffentlicht in Aktuelles, DAX, Hypo Real Estate, Immobilien | Keine Kommentare »
Sonntag, 20. Januar 2008
Über die Hälfte des Januars ist nun schon vorbei und man kann nur eines berichten, “Bad News”.
Besonders die Großbanken übertrumpfen sich gegenseitig mit neuen Rekordverlusten infolge der US-Hypotheken-Krise, der Dow Jones verlor seit Jahresbeginn mehr als sechs Prozent, der Nasdaq knapp zehn Prozent und beim DAX mit sechs Prozent Minus sieht es ganz genauso aus.
Selbst die Konjunkturdaten sind momentan nicht in der Lage die rasante Talfahrt zu bremsen, sodass sich jetzt die ersten Investoren von ihren Dividendenpapieren trennen, vornehmlich von Titeln aus der Finanzbranche oder stark von Konjunkurdaten abhängigen Papieren. Langsam muss man sich ernsthaft die Frage stellen, wie lange die US-Immobilienkrise noch auf die Finanzmärkte wirken wird.
Mit 18 Mrd. US-Dollar an Abschreibungen fuhr die Citygroup ihr schlechtestes Quartalsergebnis ein, die Gesamtsumme an Anbschreibungen aller US-Banken beläuft sich mittlerweile auf über 100 Mrd. US-Dollar. Auch die latent vorhandene Angst vor einer Rezession der US-Wirtschaft wurde durch die schlechten Zahlen aus dem Einzelhandel weiter genährt.
390 Mio. Euro musste in Deutschland die Hypo Real Estate auf ein US-Wertpapierportfolio abschreiben und bescherte dem DAX den größen Tagesverlust eines Einzeltitels, den es jemals gab. Um fast 40 Prozent brach der Kurs der Aktie am Dienstag ein, obwohl die Unternehmensführung die letzten Monate stets betonte, nicht von der Hypothekenkrise und den Börsenturbulenzen betroffen zu sein. Daher sind Anleger gegenwärtig gut beraten, erst mal abzuwarten, um nicht sofort ins offene Messer zu laufen.
Etwa 800 Mrd. Dollar an Börsenwert wurden in den USA in den vergangenen drei Wochen zunichte gemacht. In Japan sieht es noch schlimmer aus, da der Nikkei-Index seit seinem Höchststand vom Juli 2007 gut 20 Prozent verloren hat und momentan keine Aussichten auf eine kurzfristige Erholung bestehen. Für die Prognose der weiteren Entwicklung gehen die Meinungen der Pessimisten und Optimisten zur Zeit weit auseinander. Die Pessimisten sehen beim DAX weitere Verluste bis auf einen Stand von 6400 Zählern für möglich an, was sogar ein Durchbrechen der 200-Tage-Linie nach unten zur Folge hätte, während die Optimisten die Bewertung der Aktienkurse anhand der Gewinn- und Dividendenaussichten momentan noch nicht als überteuert ansehen.
Schlagworte:200-Tage-Linie, Abschreibungen, DAX, Dow Jones, Investoren, Konjunkturdaten, Nasdaq, Nikkei-Index, Quartalszahlen, Rezession, US-Börse / Wall Street, US-Hypothekenkrise, Verluste
Veröffentlicht in Aktuelles, Citigroup, DAX, Dow Jones, Hypo Real Estate, Immobilien, Nasdaq, Nikkei-Index, US-Dollar | Keine Kommentare »